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Anmerkungen zu der Kunst von Natascha Mann

In den Zeiten, in denen das Bildermalen vielleicht als unzeitgemäß erachtet wird, zeigt sich um so mehr, von welcher Kraft auch heute noch die Malerei beseelt sein kann. Das künstlerische Tun ist weniger auf einen formalen Erneuerungsprozess ausgerichtet als vielmehr auf die Erkenntnis, das es unter der Beziehung von Farbe und Form noch einiges zu entdecken und zu bearbeiten gibt. Denkt man an die späte Malerei Picassos, dann lassen sich Fragestellungen dieses bedeutenden Künstlers erahnen, zu deren Lösung er nicht mehr gekommen war; Fragen, denen sich die heutige Malerei annehmen kann. Dafür scheint der „Zeitgeist“ gerade zu prädestiniert zu sein, ist doch das eindimensionale Fortschrittsdenken auch auf künstlerischem Gebiet in Frage gestellt.

In diesem, hier kurz skizzierten Kontext sehe ich das malerische und druckgraphische Werk Natascha Manns. Auch wenn der Begriff der „Inneren Notwendigkeit“ Wassily Kandinsky etwas abgegriffen erscheint, für Natascha Mann trifft er den Kern ihres künstlerischen Tuns. Ihr Mitteilungsinstrument schlechthin sind der Pinsel und der Stift, somit auch die Hand, deren Gestus das Bild bestimmt. Malerei ist für Sie ein Akt der Selbstentäußerung, aber auch sicherlich der Selbstfindung. Ihre Suche nach dem Verborgenen und Ursprünglichen bringt sie in eine Wesensverwandtschaft zu vielen Künstlern unseres Jahrhunderts, von Baumeister bis zu Twombly. Vom Standpunkt der Moderne aus läßt sich nämlich dieses Ursprünglichkeitsdenken als ein vorkultureller Zustand umschreiben, da er sich durch die Einheit von Mensch und Natur auszeichnet, von anschaulichem Denken und Empfinden, von Anschauung und Gesetz.

Dieses künstlerische Bewußtsein wird von den Bildern Natascha Manns erfahrbar, mal verschlüsselt –mal deutlich erkennbar. Zwei Momente mögen für die Künstlerin eine Schlüsselrolle gespielt haben: 1972-74 absolvierte Sie ein Tanzstudium an der Volkwanghochschule in Essen; 1979 unternahm sie eine halbjährige Reise nach Polynesien und Mikronesien.

Neben der Malerei hat sich Natascha Mann bis heute ihre Leidenschaft zum Tanz bewahrt. Und dieses verwundert nicht – bedenkt man die eben erwähnte Dialektik von Natur und Kultur oder, vereinfachend dargestellt und auf den Tanz bezogen, von der Körperbewegung des Menschen (Ausdruck) und der Musik (Rhythmus). Diese Wechselbeziehung hatte die Künstlerin auch während ihres pazifischen Inselaufenthaltes im Sinne des Primitivismus erleben können. Jedenfalls erscheinen mir Tanz und Musik als besonders wichtig, will man sich der Kunst von Natascha Mann nähern – diese sind gleichsam Quellen für ihr künstlerisches Tun.

Gerade die in den letzten Jahren entstandenen Gemälde und Graphiken lösen beim Betrachter Erstaunen aus, ob des vitalen Temperamentes, das im Spiel von Farben, Formen, Flächen und Linien zum Ausdruck kommt. Farbklänge rücken näher oder lösen sich im Hintergrund auf; Kürzelzeichen und Linienbündel kommen und verschwinden in rhythmischen Abständen: kurzum, der Betrachter sieht indem er auch zu „hören“ scheint. Im Vergleich zu den Werken von 1988-89 wirken die jüngeren großzügiger und konzentrierter, wodurch sich die „musikalische“ Struktur im Bildaufbau zu verstärken scheint. Wie kaum ein anderer Künstler im 20 Jahrhundert sah Paul Klee Parallelen zwischen Musik und Malerei; er begründete diese schon in seinem Tagebuch 1905, das nämlich beide Künste zeitlicher Natur seien. So taucht bei ihm der Begriff „Rhythmus“ als einem Ordnungsprinzip auf, der an die Stelle von Perspektive und Achsensymmetrie getreten sei. Auf die jüngeren Werke Natascha Manns bezogen, bedeutet das, in letzter Konsequenz, das Bildzeit und Bewegung im Bild Kategorien ihrer Bilderwelt sind, die auf alltägliche heutige Erfahrungen zurückgehen, die zugleich ein neues Sehen beim Betrachter erforderlich machen. Dieses Moment verleit den Arbeiten ihre innewohnende Spannung, umgibt sie mit etwas Geheimnisvollen, das letztlich nicht zu entschlüsseln ist. Dafür gibt es Natascha Mann und ihre Kunst, der eine Offenheit zugrunde liegt, die die Welt von heute mehr dem je zu brauchen scheint…

Natascha Manns künstlerisches Werk ist beeindruckend in seiner Vielfalt an Äußerungen; frei von modischen Attituden weist es eine Stringenz aus, die immer zum Kern der „Sache“ führt: nämlich der Begeisterung am Malen und Zeichnen, Sie ist ablesbar und „springt“ auf den Betrachter über: „Die Malerei – ein sinnliches Vergnügen. Kraft schöpfen – Kraft geben.“ (N. Mann)

Möge jene Kraft auch ein wenig in meinen Worten liegen, damit Kunst noch immer so aufgefaßt wird, wie es sein sollte, namlich als ein Gefühl des Glückes, dem der Betrachter nicht mehr ausweichen kann!

 

Herbert Schneidler